Frühlingszeit – Holzzeit

Published on April 11, 2020 by Katrin Bretschneider

„Der Frühling ist zuerst eine kleine und leise, dann eine große und laute Explosion.“

Mike Mandl

Der Kirschbaum in unserem Garten ist in den letzten Tagen regelrecht explodiert. So viele weiße Blüten! Jedes Jahr freue ich mich wieder darauf, genieße ich den Anblick. Kann ich mich nicht satt sehen daran. Und hoffe, dass er mir recht lange erhalten bleiben möge, dass die warme Frühlingssonne die Blüten nicht zu schnell verwelken lasse.

Den Frühling mag ich besonders. All die unglaublichen Farben, rot, gelb, blau, weiß. Als müsste die Natur nach dem grauen Winter extra ganz tief in den Farbtopf greifen und aus dem Vollen schöpfen. Und dieses Grün!

Seitdem ich mich intensiv mit den fünf Wandlungsphasen der Traditionellen Chinesischen Medizin, auch Elemente genannt, beschäftige, erlebe ich die Kraft und Dynamik des Frühlings noch stärker, weiß ich die Aufbruchsstimmung der Natur zu schätzen.

Der Frühling ist dem Element Holz zugeordnet. Ein junger Keimling entwickelt sich zu einem großen Baum, der ein Leben lang wächst, blüht und später Früchte trägt. Genauso können wir selbst uns mit der Kraft des Holzes entfalten. Alle Möglichkeiten sind in uns gespeichert, und es liegt an uns, sie zu entwickeln und zum Blühen zu bringen. Im Holz liegt unsere Kreativität, unsere Gestaltungskraft und der Mut, das auch auszudrücken. Dann sind wir flexibel wie ein Baum, der auch dem starken Wind standhält. Dann sind wir offen für Veränderungen, können Hindernisse aus dem Weg räumen, brechen wir aus aus unserer Komfortzone, sind wir bereit für Neues.

Was können wir tun, um unsere Holzenergie zu stärken?

Die dynamische Kraft des Holzes braucht Bewegung. Körperübungen wie Laufen, Springen, Tanzen bringen gestaute Energie wieder in Schwung.

Suche dir ein Lied oder Musikstück aus, was du magst, was dir gute Laune macht. Tanze nach Belieben danach, lass alles fließen, lass alles locker. Probiere es auch mit geschlossenen Augen. Wenn die Musik zu Ende ist, bleibe noch eine Minute mit geschlossenen Augen stehen. Spüre deinen Körper, deine Lebendigkeit.

Dem Holzelement sind die Muskeln, Bänder und Sehnen zugeordnet. Alle Dehnungen und Lockerungen unterstützen unsere Holzenergie.

Strecke und recke dich gründlich am Morgen, nachdem du aufgestanden bist. Dehne dich in alle Richtungen, spüre deinen Körper, wo er Streckung und Längung braucht. . Kreise deine Schultern im Laufe des Tages, wenn du Anspannung spürst. Ziehe die Schultern bis zu den Ohren und lass sie wieder fallen. Lass alles los.

Das Sinnesorgan des Holzes sind die Augen. Oft sind unsere Augen müde und verspannt, auch wenn wir das oft gar nicht registrieren.

Sitze entspannt auf einem Stuhl. Lass die Atmung frei fließen.Ziehe die Augenbrauen fest nach oben, lege die Stirn in Falten. Halte die Spannung, lass wieder los. Schaue mit den Augen so weit nach links wie möglich, dann nach rechts. Richte deinen Blick nach oben und nach unten. Wiederhole die Übungen mehrmals, halte dabei den Kopf ganz still. Lasse die Augen langsam einen großen Kreis machen, wechsle auch die Richtung. Zum Abschluss reibe deine Handflächen kräftig aneinander. Schließe deine Augen, lege deine warmen energetisierten Hände sanft auf deine Augen und genieße die Entspannung.

„Die wahre Entdeckungsreise besteht nicht darin, neue Länder zu erkunden, sondern die Wirklichkeit mit neuen Augen zu sehen.“

 Marcel Proust

Mein Blick fällt wieder auf unseren Kirschbaum im Garten. Ich bin dankbar für die Lebendigkeit der Natur, dass nach jedem Winter (was auch als Sinnbild für eine Krise gesehen werden kann) ein Frühling folgt. Das macht mich hoffnungsvoll, gerade in der jetzigen Zeit. Wir müssen nur unseren Blick weiten und die Natur verstehen lernen. Dann wird es auch in uns Frühling werden.

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